Meine künstlerische Haltung: Verbundenheit, Stillstand, Langsamkeit

Veröffentlicht am Kategorisiert als Kreatives Gestalten
Blühender Farn und Katrin Ratzmann

Als Kind saß ich neben meiner Oma und schaute zu, wie ihre Hand den Bleistift führte, langsam, konzentriert und mit Liebe. Das war meine erste Begegnung mit Verbundenheit – dem Zentrum meiner Kunst.

Heute, Jahrzehnte später, ist „Verbundenheit“ immer noch mein Thema. Es ist kontinuierlich gewachsen, zwar mit Pausen, aber es ist geblieben. Heute erscheint es mir wie eine künstlerische Haltung, die alles durchzieht, was ich tue.

Ich erlebe Verbundenheit mit der Natur, mit Orten, die mich geprägt haben, mit meinen Kindern und mit jenen, die vor meinen Bildern verweilen.

Diese Verbundenheit entsteht nicht zufällig. Sie braucht Stillstand und Langsamkeit. Stillstand schafft Raum für das, was kommen will. Langsamkeit ermöglicht Tiefe. Erst durch beides entsteht echte Verbundenheit – mit der Natur, mit mir selbst, mit dem Material.

Schicht für Schicht entstehen meine Bilder – bis sie zu träumen beginnen. „Schichten werden Träume“ – das ist mein künstlerischer Claim, der beschreibt, wie ich arbeite und wofür meine Bilder stehen.

Dieser Artikel ist für dich, wenn…


✓ du dich fragst, was meine Kunst ausmacht
✓ du verstehen willst, wie ich arbeite
✓ du nach Kunst suchst, die Entschleunigung lebt
✓ du wissen möchtest, wofür ich stehe

Hier erfährst du alles über meine künstlerische Haltung und warum Verbundenheit, Stillstand und Langsamkeit das Fundament meiner Arbeit bilden.

1. Verbundenheit – Worum es geht

Verbundenheit ist das Thema, das in meinen Bildern immer wiederkehrt. Es geht nicht um Abbildung, sondern um Beziehung. Und um das Gespür dafür, dass wir Teil von etwas Größerem sind und zugleich tief mit unserem eigenen Leben verwurzelt.

1.1. Wo alles begann – Verbundenheit mit meinen Großeltern

Im Alter von sechs Jahren saß ich fasziniert neben meiner Oma Rosi und beobachtete, wie sie für mich mit ihrem Bleistift Hasen, Blumen und Häuser zeichnete. Alles, was mein Herz begehrte, nahm auf ihrem Blatt Gestalt an. Doch als sie vom Zeichnen ermüdet war, übernahm mein Opa Josef das Zepter. Irgendwann war ich an der Reihe, weil auch mein Opa nicht mehr konnte: Dann wollte ich die Bilder meiner Großeltern nachahmen. So begann meine Reise in die Welt der Kunst.

Katrin Ratzmann

Meine Verbundenheit zur Kunst begann mit Beobachten. Mit dem stillen Zuschauen, wie meine Großeltern die Welt auf Papier brachten – für mich, weil ich es mir wünschte. Was sie mir schenkten, war nicht nur das Zeichnen. Es war die Erfahrung, dass Kunst aus Zuwendung entsteht. Aus Zeit, die jemand sich nimmt. Aus Geduld, mit der ein Hase, eine Blume und ein Haus Gestalt annimmt.

Heute arbeite ich immer noch so: Ich nehme mir Zeit. Ich gebe den Dingen Raum, sich herauszubilden. Ich lasse sie wachsen, Schicht für Schicht – so wie meine Großeltern es mir vorgelebt haben.

1.2. Verbundenheit mit Orten

Dresden ist Teil meiner Identität und Vergangenheit. Die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, hat sich tief in mein visuelles Gedächtnis eingegraben. Meine historische Serie „Dresden im Herzen“ (2007-2009) zeigt diese Verbundenheit: die Yenidze, Moritzburg, das Blaue Wunder – Orte, die für mich nicht nur Architektur sind, sondern Erinnerung, Heimat und Wurzel.

1.3. Verbundenheit mit meinen Kindern

Meine Serie „Wiegenlieder der Nacht“ ist meine persönlichste Arbeit. Sie entsteht in den stillen Abendstunden, wenn meine Kinder schlafen. In diesen Momenten hole ich meine Materialien, Pinsel und Farben, hervor und baue sie vor dem Bettchen meines jüngsten Sohnes auf.

Diese Kunstwerke sprechen von Schutz, Geborgenheit und der stillen Kraft, die entsteht, wenn man einem schlafenden Kind zusieht. Sie sind Hommagen an die Momente, in denen Zeit stillsteht und nichts anderes wichtig ist als diese eine Verbindung.

Diese Serie verkaufe ich nicht. Die Bilder sind zu persönlich und zu nah. Sie sind ein wichtiger Teil meiner eigenen Geschichte und bleiben bei mir wie ein gemaltes Fotoalbum. Aber sie zeigen, wofür ich stehe: Verbundenheit ist nicht abstrakt. Sie ist konkret, emotional und manchmal verletzlich.

Du siehst die Kunstwerke „Stille“ und „Eingeschlafen“ sowie mein rollendes Atelier.

1.4. Verbundenheit mit der Natur

Die Natur ist für mich keine Kulisse, sondern eine Partnerin. In meiner Serie „It’s growing“ entstehen neue Pflanzen in imaginären Lebensräumen. Das ist meine phantasievolle Antwort auf Klimawandel und Artensterben, meine Antwort auf das, was verschwindet.

Die Fotografien entstehen im Botanischen Garten Dresden, in den historischen Gewächshäusern der Wilhelma Stuttgart, im Wald und in meinem eigenen Garten. Dort bewege ich mich zwischen vertrauten und fremden Pflanzen, entdecke Formen, die mich berühren, Farben, die nachklingen. Durch experimentelles Klecksen, Collagieren und spontanes Drucken entfalte ich Welten, in denen unbekannte Pflanzen gedeihen.

„Rote Feder“ ist ein Werk aus dieser Serie. Die Serie soll weiter wachsen. Mindestens hundert phantastische Pflanzenarten möchte ich entstehen lassen. Jede neue Pflanze, die ich in meinen Bildern erschaffe, ist ein schöpferisches Zeichen: Es gibt noch Raum für Wachstum.

Diese Pflanzen erinnern daran, dass wir aus der Natur hervorgegangen sind und mit ihr verbunden bleiben, auch wenn wir es manchmal vergessen.

Die Kunstwerke heißen „Blühender Farn No. 5“, „Fröhliche Tropfen No. 1“ und „Rote Feder No. 4“.

1.5. Verbundenheit mit mir selbst

In der Natur finde ich zu mir. Beim Gehen ohne Ziel und beim stillen Beobachten. Wenn ich Licht und Schatten wahrnehme, verändert sich mein inneres Tempo. Einmal, auf einem Waldspaziergang, sah ich einen weißen Schmetterling. Später tauchte er wieder auf: im Porträt meines schlafenden Sohnes. Leise, ungefragt. So arbeitet Verbundenheit: Sie sammelt Momente und gibt sie frei, wenn die Zeit reif ist. Aus diesem Erleben und dem inneren Gleichklang heraus entsteht meine Kunst.

Detail von „Eingeschlafen“

1.6. Verbundenheit zwischen Bild und dir

Meine Bilder sind wie Spiegel. Sie laden dich ein, innezuhalten. Nicht um etwas zu verstehen, sondern um etwas wahrzunehmen. Um dich zu verbinden – mit der Natur, mit Erinnerungen und mit dir selbst.

Erfahre mehr!

Im Blogartikel: „Verbundenheit – Der rote Faden durch meine Kunst“

Im Blogartikel: „Warum Verbundenheit Zeit braucht“

2. Stillstand – Wie Pausen produktiv sind

Stillstand ist keine Blockade. Er gehört für mich beim Gestalten dazu.

In meinem Atelier gibt es Bilder, die auch wochenlang in der Ecke stehen, weil ich nicht weiß, wie es weitergehen soll. Ich gehe vorbei, bleibe stehen, gehe weiter. Dieses Aushalten, dieses Nicht-Wissen, ist Teil meines künstlerischen Prozesses. „Colourful Inside“ entstand so über zwei Monate. Das Cyanblau meines Sohnes blieb schließlich in kleineren Teilen bestehen, nicht als Korrektur, sondern als Dialog.

Stillstand kann von außen wie Blockade aussehen. Er ist in Wahrheit Reifung. So wie in der Natur nicht alles gleichzeitig wächst. Es gibt dort Zyklen: Zeiten des Wachstums und Zeiten der Ruhe. Pflanzen pausieren im Winter. Sie sammeln Kraft. Im Frühling wachsen sie weiter. So braucht auch ein Bild diese Phasen des Ruhens. Phasen, in denen scheinbar nichts geschieht – und doch reift etwas unter der Oberfläche. Stillstand ist produktiv. Er lässt Raum für das, was kommen will.

Erfahre mehr!

Im Blogartikel: „Stillstand als Teil meiner künstlerischen Haltung“

Als „Colourful Inside“ fertig wurde, war ich erleichtert.

3. Langsamkeit – Warum ich Zeit brauche

Langsam zu arbeiten bedeutet für mich nicht, weniger ernsthaft zu arbeiten. Im Gegenteil: Es bedeutet, Verantwortung für den Prozess zu übernehmen, indem ich ihm nicht meinen Willen aufdrücke. Eine Knospe öffnet sich erst, wenn die Temperatur stimmt, das Licht passt, der Moment da ist. Ein Vogel singt nicht, weil er muss. Er singt, wenn es Zeit ist. Meine Bilder dürfen das auch, sich entfalten, wenn es soweit ist.

3.1. Schichten wachsen langsam

Meine Mixed Media Art entsteht in Schichten. In meiner „Traumschicht Methode“ arbeite ich mit diesem organischen Rhythmus. Lage für Lage lege ich Farbe und Papier übereinander, lasse manches durchscheinen, verdecke anderes wieder. Dieser Prozess erinnert mich an den Erdboden: Vergangenes verschwindet nicht. Es wird Teil des Ganzen. Was heute verdeckt wird, kann morgen wieder durchscheinen.

3.2. Gegenpol zum Alltag

Mein Arbeitsalltag ist geprägt von Verantwortung, Struktur und Verlässlichkeit. Entscheidungen werden schnell gefordert. Abläufe müssen funktionieren, Termine werden eingehalten. Hier gibt es wenig Spielraum.

Mein Atelier ist der Ort, der anders funktioniert. Dort nehme ich mir Zeit, nicht als Flucht, sondern als notwendiges Gegengewicht. In der Langsamkeit meiner künstlerischen Arbeit finde ich eine andere Form von Präsenz: eine, die nicht bewertet, sondern wahrnimmt. Die nicht plant, sondern zulässt.

3.3. Yoga und Meditation als Fundament

Seit über dreißig Jahren praktiziere ich Yoga und Meditation. Diese Erfahrung prägt meine künstlerische Haltung: Äußere Ruhe wirkt nach innen, verändert den Blick und öffnet einen Raum, in dem nichts erzwungen werden muss.

So arbeite ich auch im Atelier – prozessorientiert, nach und nach, ohne Eile. Manchmal entsteht in einer Stunde eine einzige Schicht. Manchmal arbeite ich nur mit einer Farbe, die aufgetragen und wieder übermalt wird.

Ich mag dieses Foto von mir im Atelier, im Garten sehr. Es nahm mein Mann auf.

3.4. Die Langsamkeit meiner Mutter

Langsam zu sein, diese Haltung ist nicht neu in meiner Familie. Meine Mutter hat ihr Leben lang viel gestrickt und gehäkelt. Schicht für Schicht, Reihe für Reihe. Jede Masche war eine Entscheidung, die nur mit Mühe rückgängig gemacht werden konnte. Ich erinnere mich, wie meine Mutter konzentriert auf dem Sofa saß, die Nadeln in der Hand. Es gab keine Eile. Ich höre heute noch das rhythmische Klicken ihrer Nadeln und sehe das gleichmäßige Wachstum des kunstvollen Wollgeflechts. Ihre Handarbeiten waren Meditationen – auch wenn sie das Wort nie benutzt hätte. Sie waren Zeugnisse von Geduld, von Hingabe an einen handwerklichen Prozess, der Wochen, manchmal Monate dauerte.

Wenn ich heute vor meinen Bildern stehe und warte, bis eine Schicht trocken ist, denke ich an ihre kunstvollen Handarbeiten und an die Stille, die entsteht, wenn man etwas wachsen lässt. Und an die besondere Ruhe, die sich einstellt, wenn man nicht forciert.

Ich habe von meiner Mutter gelernt, dass Langsamkeit keine Schwäche ist. Dass Geduld eine Form von Stärke sein kann. Dass manche Dinge eben Zeit brauchen und dass das in Ordnung ist.

Ihre Handarbeiten sind heute noch da. Deckchen, Pullover, Schals. Sie tragen die Zeit in sich, die sie brauchten. So wie meine Bilder.

Ich finde Ruhe, indem ich die Welt schichtweise neu erschaffe – bis sie zu träumen beginnt.

Katrin Ratzmann

Dieser Satz beschreibt, was in meinem Atelier geschieht. Allmählich baue ich eine Welt, die nicht abbildet, was ist – sondern verdichtet, was ich erlebt habe, bis das Bild anfängt, seine eigene Geschichte zu erzählen. Bis es zu träumen beginnt. Die Kurzform davon versteckt sich in meinem Claim „Schichten werden Träume“.

Erfahre mehr!

Im Blogartikel: „Warum Verbundenheit Zeit braucht“

Im Blogartikel: „Im Fokus: Die ‚Traumschicht Methode‘ – Mein persönliches Kunstverfahren“

4. Wie alles zusammenhängt

Verbundenheit BRAUCHT Stillstand und Langsamkeit:

  • Ohne Pausen gibt es keine Tiefe
  • Ohne Zeit existiert keine echte Verbindung
  • Ohne Langsamkeit entsteht keine genaue Wahrnehmung

Es ist dieselbe Haltung, die mich Verbundenheit suchen lässt – mit der Natur, mit Orten wie Dresden, mit meinen Kindern, mit mir selbst. Dieselbe Haltung, die Stillstand nicht als Blockade sieht, sondern als notwendige Phase des Reifens.

Es ist eine Haltung, die zulässt statt forciert. Die beobachtet statt plant. Die wartet, bis etwas bereit ist, zu erzählen. Meine Bilder öffnen eigene phantastische Welten, die zu leben und zu träumen beginnen. Das verbirgt sich hinter „Schichten werden Träume“: Und meine Bilder entstehen aus dieser vernetzten Verbundenheit, Träume greifbar zu machen.

Inmitten von meinem Bild „Blühender Farn No. 5“

5. Für wen meine Kunst ist

Meine Bilder sind keine Dekoration. Sie öffnen Räume zum Verweilen.

Sie sind für Menschen, die nach Entschleunigung suchen. Für alle, die am Ende des Tages nach Hause kommen und einen Raum brauchen, der Stille atmet. Für jene, die zwischen Terminen und To-Do-Listen vergessen haben, was es heißt, einfach nur zu sein. Für Menschen, die sich nach Natur sehnen – auch mitten in der Stadt. Für Sammler, die Kunst als exklusive Begleitung in ihrem Leben sehen.

Für alle, die wissen: Ein Bild kann mehr sein als eine schöne Farbfläche. Es kann eine Erinnerung daran sein, was uns trägt.

Meine Arbeiten finden ihren Platz dort, wo Stille willkommen ist:

  • in Räumen, in denen Heilung geschieht
  • in Wohnungen, in denen Natur nicht nur Thema, sondern Lebenshaltung ist
  • stillen Arbeitszimmern
  • in Räumen der Achtsamkeit
  • aber auch in modernen Räumen, in denen ein Gegengewicht zur Hektik gesucht wird

Sie sind für jene gemacht, die nicht nur ein Bild suchen, sondern eine Resonanz. Eine Erinnerung daran, dass Langsamkeit keine Schwäche ist. Dass Verbundenheit möglich bleibt. Dass Stillstand produktiv sein darf – im Inneren, wo Verbundenheit wächst. Und dass Schichten zu Träumen werden können.

Ich freue mich über deine Post. Schreibe mir gern: hello@katrinratzmann.de

Von Katrin

ÜBER MICH: "Schichten werden Träume" – das ist meine Kunst. Drei Werte leiten mich: Verbundenheit, Langsamkeit und Stillstand. Sie inspirieren meine künstlerischen Serien. Die bekannteste ist "It's growing": 100 imaginäre Pflanzen werde ich erschaffen. Wo Arten verschwinden, lasse ich neue wachsen. Jede Pflanze entfaltet sich in meiner "Traumschicht Methode" – Schicht für Schicht, durch Fotografie, Malerei, Collage und experimentellen Druck. In meinem Blog teile ich die Geschichten hinter den Bildern, gebe Einblicke in meinen Alltag als Künstlerin und Mutter und zeige als Gärtnerin imaginärer Pflanzen den Weg zu phantastischer Artenvielfalt. Mehr über mich findest du hier!

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