Stillstand als Teil meiner künstlerischen Haltung

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In der Natur gibt es keine permanente Produktion. Es gibt Zyklen: Zeiten des Wachstums und Zeiten der scheinbaren Ruhe. Meine künstlerische Arbeit folgt diesem Rhythmus. Bilder entstehen nicht immer im Fluss. Manche fordern Zeit. Andere verlangen Abstand. Und gerade diese wollen zunächst einfach da sein: unvollendet, offen, ohne Antwort.

Stillstand ist kein Scheitern. Er ist ein wesentlicher Bestandteil meines künstlerischen Prozesses. In Momenten der Ruhe entwickeln sich jene Ideen, die meine Bilder zur Vollendung führen.

Was dich erwartet

Stillstand gehört zum natürlichen Rhythmus.
Wie in der Natur folgt meine künstlerische Arbeit Zyklen aus Wachstum und Ruhe, in denen Bilder Zeit brauchen.
Wenn ein Bild nicht weiter will, beginnt eine andere Form der Arbeit.
Pausen bei Werken wie „Colourful Inside“ oder „Wir“ erwiesen sich rückblickend als entscheidend für ihre Entwicklung.
Nichtstun ist eine bewusste künstlerische Handlung.
In Phasen des Wartens ordnen sich Wahrnehmung und Entscheidungen im Hintergrund neu.
Stillstand ermöglicht Transformation.
Aus Ruhe wächst Veränderung, oft leise, unerwartet und jenseits der ursprünglichen Bildidee.
Meine Kunst widersetzt sich permanenter Produktivität.
Tiefe, Reife und Bedeutung entstehen für mich durch Geduld, nicht durch Tempo.

1. Wenn ein Bild nicht weitergehen will

Mein Werk „Colourful Inside“ entstand über zwei Monate hinweg und durchlief mehrere Phasen des Wartens. Erst im Rückblick erkannte ich, wie entscheidend diese Pausen für seine Entwicklung waren.

Ein ähnliches Beispiel ist mein Werk „Wir“ aus meiner Serie „Wiegenlieder der Nacht“. Ich erklärte es auf Instagram für vollendet, erhielt Lob und merkte dann, dass ich mich getäuscht hatte. Das Bild fühlte sich plötzlich unfertig an. Also arbeitete ich weiter daran, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war.

Ich kenne diese Momente gut: Ein Bild steht im Atelier. Ich werde verunsichert, finde keinen Zugang. Das Bild öffnet sich nicht mehr. Ich gehe daran vorbei, betrachte es, lasse es stehen. Tage vergehen, manchmal Wochen oder Monate.

Dieses Nicht-Wissen aushalten zu können, gehört zu meiner künstlerischen Arbeit. Statt aktiv zu gestalten, beobachte ich. Farben, Flächen und Schichten beginnen leise miteinander zu kommunizieren. Oft geschieht in dieser Phase mehr, als von außen sichtbar wird. Der Stillstand wird zu einem Raum, in dem sich Wahrnehmung verändert und neue Möglichkeiten allmählich entstehen.

Wir
Colourful Inside

2. Nichtstun als bewusste Handlung

In solchen Momenten übermale ich kleine Bereiche, verschiebe Akzente oder ich lasse das Bild einfach stehen. Manchmal stelle ich es in ein anderes Zimmer. Tage später hole ich es wieder hervor. Oft geht es um innere Klärung, um einen Raum, in dem Gedanken und Gefühle frei fließen können.

Ist das überhaupt noch Stillstand? Äußerlich ja. Innerlich ordnet sich etwas. Die Wahrnehmung schärft sich, schöpferische Entscheidungen reifen im Hintergrund.

Wenn ein Bild nicht weitergehen will, versuche ich, nichts zu erzwingen. Das bedeutet: Ich vertraue dem Bild. Und mir selbst.

Diese Haltung steht in direktem Zusammenhang mit meiner künstlerischen Herangehensweise in der Mixed Media Art: Schichten entstehen nicht nur durch Material, sondern auch durch Zeit. In meiner sogenannten „Traumschicht Methode“ spielen Pausen, Überlagerungen und das Zulassen von Ungewissheit eine zentrale Rolle. Das Bild entwickelt sich nicht entlang eines Plans, sondern durch sensibles Reagieren auf das bereits Vorhandene. Ich arbeite langsam, meist abends, während meine beiden kleinen Kinder schlafen – in kurzen Einheiten von fünfzehn Minuten bis zu zwei Stunden.

3. Stillstand und Transformation

Schrittweise zeigt sich, in welche Richtung sich eine Arbeit entwickeln möchte. Entscheidungen entstehen nicht abrupt. Sie wachsen. Aus Stillstand wird so Veränderung.

Manchmal führt dieser Prozess dazu, dass ein Bild seine ursprüngliche Idee hinter sich lässt und etwas vollkommen Neues zulässt. Der Stillstand markiert dann einen Übergang. Deshalb sieht mein Bild „Colourful Inside“ heute ganz anders aus. Es kehrte sogar in das ursprüngliche Hochformat zurück.

So zeigte sich „Colourful Inside“ kurz nach dem Moment, in dem mein Sohn viel Cyanblau in das Bild malte.

4. Gegen die Idee permanenter Produktivität

In einer Arbeitswelt, die auf Tempo, Fülle und sichtbare Ergebnisse ausgerichtet ist, wirkt Innehalten irritierend. Fortschritt soll messbar und schnell sein. Für meine künstlerische Praxis gilt dieses Verständnis nur bedingt. Mein kreatives Gestalten orientiert sich nicht an Produktivität. Mein Atelier bildet eine Gegenwelt.

Meine Haltung entspricht meinem Blick auf Natur und Wachstum. Veränderung geschieht dort selten abrupt. Sie vollzieht sich in Zyklen – mit Zeiten der Ruhe, des Rückzugs und der langsamen Vorbereitung. In meiner Kunst versuche ich, mich an diesen Rhythmen zu orientieren, statt gegen sie zu arbeiten.

Das erklärt auch, warum mich Naturmotive so stark anziehen. Ich liebe es, in Gewächshäusern, in der freien Natur oder in meinem eigenen Garten nach Motiven für meine Pflanzenserie „It’s growing“ zu suchen – und diese Serie langsam wachsen zu lassen. Momentan umfasst sie acht Werke.

Acht Werke ist erst der Anfang von „It’s growing“. Die Serie wird weiter wachsen. 100 neue Arten soll sie mindestens umfassen.

5. Stillstand als Teil eines offenen Prozesses

Wenn ich heute auf meine Bilder blicke, wird mir zunehmend klar, wie sehr Stillstand zu meinem künstlerischen Prozess gehört. Nicht als Unterbrechung, sondern als Ruhepol, der Wahrnehmung und innere Bewegung ermöglicht. Stillstand ist in diesem Sinne kein Gegenpol zur Bewegung, sondern ihre Voraussetzung. Er schafft Raum – leise, unspektakulär und zugleich wesentlich. Neue Formen, Farben und Bedeutungen können sich entwickeln, jenseits von Erwartungen an Tempo oder Leistung.

Bilder brauchen Zeit, um sich zu zeigen.

Der offene, prozessorientierte Ansatz meiner Mixed Media Art erlaubt es mir, Entwicklungen nicht vorwegzunehmen. Entscheidungen dürfen entstehen, statt getroffen zu werden.

So verstehe ich meine Kunst als fortlaufenden Prozess, in dem Bewegung und Innehalten einander bedingen. Nicht jedes Bild muss sofort fertig werden. Werke dürfen ihren Weg erst über Umwege finden. Genau darin liegt für mich ihre besondere Qualität.

Von Katrin

ÜBER MICH: „Einssein von Kunst und Natur“ – das ist meine Philosophie, die meine Mixed-Media-Kunstwerke prägt. In meinen Blogartikeln teile ich wertvolles Wissen und tiefgreifende Einsichten. Du entdeckst kreative Techniken, erhältst inspirierende Impulse und erfährst spannende Hintergründe zu meinen Bildern. Zudem ermögliche ich Einblicke in meinen kreativen Familienalltag als Künstlerin, Bloggerin und Mama. Schon in meiner Kindheit war ich künstlerisch aktiv. Mein Kunststudium sowie meine Erfahrungen als selbstständige Künstlerin und Lehrerin haben meine Leidenschaft weiter vertieft. Seit Sommer 2025 gebe ich meine Gedanken und Anregungen in meinem Blog an dich weiter. Lass dich von der Schönheit, Vielfalt und Magie von Kunst und Natur inspirieren - in meinen Kunstwerken und meinen Blogartikeln! Mehr über mich findest du hier!

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