Warum ich Bilder gestalte, hat sich über die Zeit verändert. Erst war es ein Ausgleich zum Alltag. Dann wurden daraus Serien. Und irgendwann merkte ich: Mit meiner Kunst zeige ich eine Haltung.
1. Ein Raum ohne Erwartungen
Vor eineinhalb Jahren fing ich wieder an, Kunst zu machen. Ich brauchte einfach einen Ort, an dem nichts von mir erwartet wird.
Zwischen Familie, Alltag und Arbeit gibt es viele Dinge, die organisiert werden müssen. Ich habe viele Rollen mit vielen Aufgaben. Manchmal kann ich das Tempo gar nicht selbst bestimmen. Manches kommt einfach dazu, ob ich will oder nicht.
Das Atelier wurde mein Gegenpol, wo nichts funktionieren muss. Oft sitze ich dort, schaue auf ein halbfertiges Bild, trinke meinen Tee, warte, bis eine Schicht auf dem Bild trocknet. Oder ich denke gar nicht nach. Ich betrachte das Bild und lasse mich treiben. Ich betrete einen anderen Raum, in dem ich in mich hineinhören kann.
Am Anfang war meine Kunst eine Pause vom Funktionieren: meine Kunstpause und mein Ausgleich.
Wenn alles still wird, beginnt etwas.
Katrin Ratzmann

2. Dann entstanden Serien
Mit der Zeit merkte ich, dass die Bilder zusammenhängen. Ich hatte das nicht geplant. Aber plötzlich waren da wiederkehrende Themen und Motive. Und daraus entwickelten sich meine drei aktuellen Serien.
2.1. „Wiegenlieder der Nacht“
Mein erstes Bild nach meiner Rückkehr zur Kunst zeigt meinen schlafenden Sohn und gehört zur Serie „Wiegenlieder der Nacht“.
Die Bilder der Serie sind sehr privat. Ich werde sie nicht verkaufen.
Vielleicht schaffe ich diese Bilder, weil Kindheit rasch vergeht. Jedes Jahr schlafen meine Kinder anders. Sie verändern sich schnell. Ich kann die Zeit nicht festhalten. Aber ich kann die Momente bewahren. Es sind stille Augenblicke zwischen Nachtlicht, Müdigkeit und Geborgenheit inmitten pflanzlicher Welten.
Es ist beruhigend, meine schlafenden Kinder zu betrachten und diese stillen Augenblicke wie ein gemaltes Fotoalbum festzuhalten. Ich höre gern ihren Atem, erlebe gern diese anmutige Zufriedenheit mit und bewundere dabei ihre spielerische Leichtigkeit, die sie am Tag zeigten. In den Bildern spüre ich Verbundenheit mit meinen Kindern, mit diesen flüchtigen Momenten und mit dem, was wirklich zählt.

2.2. „Holding Drops“
Ein Jahr später wurde meine Arbeit abstrakter. In „Holding Drops“ zeige ich Tropfen. Es sind runde Bilder: schwebend, fließend und bunter.
Die Pflanzen verschwinden dort beinahe ganz. Auf den Bildern breiten sich vor allem Farben und Formen aus. Nur noch wenige abstrahierte pflanzliche Motive sind vorhanden. Mich interessiert dabei die Frage: Wie wenig braucht ein Bild, damit etwas trotzdem spürbar bleibt, damit ich mich verbunden fühle und ich in eine traumhafte Welt hineingezogen werde?

2.3. „It’s growing“
Und mittendrin – zwischen „Wiegenlieder der Nacht“ und „Holding Drops“ – begann „It’s growing“.
Das ist die wichtigste Serie für mich. Hundert imaginäre Pflanzen werde ich erschaffen. Elf sind bisher fertig.
Über meinen Meilenstein „10 von 100“ erfährst du hier.
Auch bei dieser Serie entstehen die Pflanzen nicht aus dem Nichts. Ich sammle Momente aus botanischen Gärten, aus dem Wald und meinem eigenen Garten. Dort fotografiere ich Pflanzen, ihre Blattadern, ihre Blüten, Licht und ungewöhnliche Formen.
Diese Fotos warten erst einmal auf meinem Computer. Sie liegen wochenlang und monatelang in Ordnern. Und irgendwann taucht ein Motiv davon wieder auf, aber verwandelt und wird Teil von „It’s growing“. Das Besondere an dieser Serie ist, dass ich direkt auf Fotopapier mit meiner „Traumschicht Methode“ arbeite.

3. Stille finden, Neues wachsen lassen
Mit der Zeit wurde mir klar, dass meine Bilder auch etwas mit meiner Haltung zur Welt zu tun haben.
Lebensräume verändern sich. Vieles wird schneller, lauter und austauschbarer.
Und ich suche die Stille in meinem Atelier bewusst. Wenn ich meine schlafenden Kinder beobachte. Wenn ich Pflanzen gestalte, die es gar nicht gibt. Oder wenn ich farbige Tropfen schaffe, deren Farben Halt geben und mir den Weg in eine Traumwelt zeigen.
Wo es zu laut ist, finde ich bewusste Momente, die mir meine Träume ermöglichen. Und wo Lebensräume kleiner werden, lasse ich neue wachsen: nicht wissenschaftlich, nicht real. Ich lasse sie in meiner eigenen Bildwelt wie eine Gärtnerin wachsen.
4. Warum Zeit wichtig ist
Meine Bilder entfalten sich langsam mit der „Traumschicht Methode“: Schicht für Schicht, mit Collage, Malerei und Druck. Manchmal muss ich warten, bis eine Fläche trocknet, bevor ich weiterarbeiten kann. Langsamkeit gehört zum Arbeitsprozess. Die Pflanzen wachsen nicht schnell. Meine Bilder erst recht nicht. Und das sollen sie auch gar nicht.
5. Für Menschen wie mich
Meine Bilder sind für Menschen, die sich nach Stille sehnen. Für Menschen, die zwischen allem Funktionieren manchmal stehen bleiben möchten. Meine Arbeiten sind keine schnellen Bilder. Sie wollen nicht laut sein. Sie möchten besondere Räume öffnen. Das sind Räume zum Verweilen, zum Schauen, zum Atmen, zum Träumen und zum Finden von Verbundenheit. Zum Sein.
Möchtest du mich und meine Kunst besser kennen lernen? In meinem Newsletter teile ich Einblicke aus dem Atelier, neue Pflanzen aus „It’s growing“ und Gedanken zwischen meinen Bildern. Zweimal im Jahr entsteht dort außerdem ein Atelierblatt zum Sammeln.

ÜBER MICH: „Schichten werden Träume“ – das ist meine Kunst. Drei Werte leiten mich: Verbundenheit, Langsamkeit und Stillstand. Sie inspirieren meine künstlerischen Mixed-Media-Serien. Die bekannteste ist „It’s growing“: 100 imaginäre Pflanzenarten werde ich erschaffen. Wo Arten verschwinden, lasse ich neue wachsen.
Jede Pflanze entsteht in meiner „Traumschicht Methode“ – Schicht für Schicht, durch Fotografie, Malerei, Collage und experimentellen Druck.
In meinem Blog teile ich die Geschichten hinter den Bildern, gebe Einblicke in meinen Alltag als Künstlerin und Mutter und zeige den Weg zu 100 neuen Pflanzen.
Mehr über mich findest du hier!
