Nachdem ich 2024/25 zum ersten Mal an den „Malerischen Rauhnächten“ von Wayra Arts teilgenommen hatte, war ich erstaunt über die Tiefe der Impulse. Was zunächst wie ein stilles Ritual begann, setzte etwas in Bewegung: 2025 wagte ich – nach einer langen Kunstpause – in achtsamen und kleinen Schritten zurück in mein künstlerisches Tun.
Ich veranschauliche dir in diesem Blogartikel, wie die „Malerischen Rauhnächte“ meine Kreativität aufs Neue beeinflussten und auch deine aktivieren können.
Die Rauhnächte sind eine besondere Zeit, eine Schwelle zwischen den Jahren. Sie laden dazu ein, Altes loszulassen und Neues behutsam zu entwickeln. Sie setzen eine bewusste Zäsur. Eine „Zäsur“, abgeleitet vom lateinischen Wort für „Schnitt“, hilft uns, einen Einschnitt im Leben zu erkennen und aktiv zu gestalten. Für mich bieten die „Malerischen Rauhnächte“ eine Möglichkeit, neue Pläne zu schmieden und unter umfassender und hingebungsvoller Anleitung von Nora Teichert und Franziska Scherf, den Macherinnen der „Malerischen Rauhnächte“, kreativ zu sein. Es zeigte sich, dass diese magischen Nächte nicht nur eine Fortsetzung meiner begonnenen künstlerischen Reise von 2025 waren. Sie wurden für mich zu einer Erfahrung, die weit über das Malen hinausging. Ich malte in dieser Zeit zusammen mit meinem siebenjährigen Sohn – und mit ihm fand eine unerwartete, lebendige Farbverschiebung ihren Weg in mein Rauhnachtsbild: eine kleine Störung mit Blau – doch eine, die nachwirkte.
Was dich erwartet
Erste Teilnahme und Rückkehr zur Kunst: Die Autorin erlebte nach ihrer ersten Teilnahme an den „Malerischen Rauhnächten“ 2024/25 eine tiefgreifende Veränderung. Dies motivierte sie, nach einer langen Kunstpause 2025 wieder in ihr künstlerisches Schaffen einzutauchen.
Thema „erinnere dich“: Die Rauhnächte 2025/26 luden zur Selbstreflexion ein und ermutigten die Teilnehmer, ihre innere Welt zu erkunden. Das Malen wurde zum Spiegel der Seele und förderte kreative Impulse.
Kreative Gemeinschaft und Austausch: In der MaRa-Gruppe fand die Autorin Gleichgesinnte, mit denen sie sich über Kunst austauschen konnte. Diese Verbindung führte im Jahr zuvor zu einer anhaltenden kreativen Zusammenarbeit.
Malen mit dem Sohn: Der Einfluss ihres siebenjährigen Sohnes beim Malen führte zu einer lebendigen Farbverschiebung im Bild. Diese Erfahrung half der Autorin, sich mit eigenen Empfindungen und Erinnerungen auseinanderzusetzen.
Offenes Ende und kreativer Prozess: Der kreative Prozess wurde als wichtiger erachtet, wobei das Ergebnis nicht im Vordergrund stand. Die Autorin erkannte, dass es darum ging, den kreativen Raum zuzulassen und das Unvollendete zu akzeptieren.
1. „erinnere dich“ – das Thema
Das Thema der „Malerischen Rauhnächte“ 2025/26 lautete „erinnere dich“: Welches Bild von mir darf auf meiner Leinwand entstehen? Diese Frage lud dazu ein, sich selbst zu reflektieren und die eigene innere Welt zu erkunden. Das Bild wird dabei zum Spiegel deiner Seele und dient als Landkarte, die dir neue Wege weist. Die intuitive Herangehensweise beim Malen steht im Vordergrund. Doch die „Malerischen Rauhnächte“ bereicherten meinen Jahreswechsel noch mehr. Das sind meine sieben Gründe, warum ich diese kreative Zeit so sehr schätze:
2. 7 Gründe, die „Malerischen Rauhnächte“ zu schätzen
- Sichtbare Träume und Wünsche: Durch bewussteres Träumen in den Rauhnächten und das Aufschreiben meiner Wünsche für das „13-Wünsche-Ritual“ wurden meine Träume und Wünsche greifbarer und lebendiger.
- Reflektierte Gedanken: Das Führen eines Rauhnachts-Journals ermöglichte es mir, meine Gedanken zu ordnen und zu vertiefen.
- Austausch in einer kreativen Gemeinschaft: In der MaRa-Gruppe, kurz für Malerische-Rauhnächte-Gruppe, auf Telegram fand ich Gleichgesinnte, mit denen ich mich über Kunst und die Rauhnächte austauschen konnte. Diese Verbindung führte zur Gründung der Gruppe „Farbrausch“ nach den Rauhnächten 2024/25, in der wir bis heute gemeinsam an Kunstprojekten arbeiten und uns rund um die Kunst beraten.
- Einladung zum Leinwandbau: Ich erhielt eine wertvolle Anleitung zum Bau einer eigenen Leinwand. Obwohl ich derzeit noch an dem Glaubenssatz festhalte, dass ich dafür zu ungeschickt bin, motiviert mich diese Herausforderung, es dennoch auszuprobieren.
- Kreativimpulse und Meditationen: Die täglichen Impulse während der Rauhnächte führten mich ins Ungewisse und ermutigten mich, neue Wege auf meinem Bild zu erkunden. Für mich bedeutet Kunst nicht, nachzuahmen und zu stagnieren, sondern neugierig zu sein und kreativ zu experimentieren.
- Lebensweisheiten im Podcast: Nora und Franziska gestalteten eine exklusive Podcast-Folge, die voller gebündelter Lebensweisheiten ist. Ich habe sie bereits vier Mal angehört, so inspirierend finde ich die Inhalte.
- Der Zaubertrank der Abschlussveranstaltung: Bei der Abschlussveranstaltung mixten alle Teilnehmenden einen Zaubertrank, der uns für das gesamte Jahr 2026 stärken soll. Jeder fügte eine Zutat hinzu – meine Zutat war die Farbe Blau.
Warum ich mich für diese Zutat entschieden habe, möchte ich dir nun verraten:
3. Malen mit meinem Sohn
Als mein siebenjähriger Sohn unbedingt sein Lieblingsmotiv, eine Dampflok auf mein Rauhnachtsbild hinzufügen wollte, war ich skeptisch. Stattdessen schlug ich ihm vor, meinen grünen Pullover auf dem Bild zu malen. Er machte das so gut, dass er im nächsten Schritt weiter auf dem Rauhnachtsbild malen durfte. Er sollte mit einem nassen Pinsel lasierend meine blauen Muster, die ich in der Nacht zuvor mit einem Linolschnitt gedruckt hatte, etwas übermalen, so dass sie weicher wirkten. Das Cyanblau der Muster erschien durch den Druck relativ dunkel und wirkte angenehm auf mich. Doch durch das Lasieren meines Sohnes erlangte es im Nu eine strahlende Leuchtkraft – etwas, das mir entging, während ich vertieft an meinem Selbstporträt auf demselben Bild arbeitete. Mein Sohn und ich gestalteten in einer wunderbaren, wohltuenden Stille miteinander, die ich sehr genoss.
Plötzlich blickte ich auf und sah das leuchtende Cyanblau auf meinem Bild, das etwa 50 Prozent der Fläche einnahm. Vom Linoldruck war gar nichts mehr zu sehen. Die Bildseite erschien wie eine einheitliche blaue Masse mit weißen Wellen. Ich kann bis heute nicht genau nachvollziehen, wie mein einst dunkleres Blau so strahlend werden konnte. Vielleicht hatte mein Sohn ein anderes Blau aus seinem Farbkasten verwendet? Oder hatte er etwa magische Kräfte bekommen? Seit Weihnachten übte er wieder das Zaubern mit seinem Zauberkasten. Möglicherweise hatte er Acrylweiß ins Blau hineingemischt. Doch all diese Fragen waren für mich nebensächlich. Ich atmete durch, blieb gelassen und gab meinem Sohn ein neues Blatt Papier, damit er die nächste Dampflok für seine Bildergalerie malen konnte, während ich mit meinem Bild im Badezimmer verschwand.
Du siehst auf den Bildern zwei Gemälde meines Sohnes: sein Lieblingsmotiv, die Dampflok, und einen Tiger in der Nacht.
4. Cyanblau und ich
Ich versuchte, das Blau mit der Wasserbrause abzuspülen. Es ließ sich nur schwer entfernen. Wahrscheinlich hatte es sich mit dem Acrylweiß, das wasserfest ist, vermischt! Nach fünf Minuten des Abspülens stellte ich das Bild beiseite. Ich wusste, dass ich noch weitere leere Leinwände zur Verfügung hatte, falls ich mit dieser neuen, bisher ungekannten Herausforderung auf dem Bild nicht zurechtkommen würde.
Als ich auf das Bild blickte, sah ich einen Blauton, den ich nie sehr gemocht hatte. Besonders intensiv begegnete mir der Farbton während meiner Elternzeit, als ich Kleidung für meinen Sohn kaufen wollte. In der Jungenabteilung fand ich dieses Blau an so vielen Kleidungsstücken, dass ich schließlich laut verkündete, niemals ein einziges Teil in diesem Ton für mein Kind zu kaufen. Für mich war es der schrecklichste Blauton überhaupt: das leuchtende Cyanblau.
Ich fragte mich, ob mein Bild mit dieser Vorgeschichte überhaupt noch zu retten sei. Soll ich es akzeptieren oder verwerfen? Der leichteste Weg wäre, einfach darüber zu malen. Mit Weiß!
… Fünf Stunden später bemerkte mein Sohn: „Mama, dein Bild ist nicht mehr so toll.“. In der MaRa-Gruppe hingegen wurde mein Bild als positiver Zufall bezeichnet.

5. Ein kraftvolles Bild
Mein Bild wurde in der MaRa-Gruppe als kraftvoll beschrieben. Es wirke wie ein Porträt, das aus einem Wasserstrom heraus auf etwas Erdendes zusteuere. Die Rückmeldungen waren ermutigend: „Ich mag dein Bild sehr. Das Blau ist erfrischend und steht im Kontrast zu dem zarten Porträt in Naturtönen.“. Eine weitere Teilnehmerin nahm sogar in einer Direktnachricht Kontakt mit mir auf und gab mir wertvolle Tipps, wie ich weiterarbeiten könnte. Das munterte mich besonders auf.
In der Gruppe überlegten wir gemeinsam, wofür Blau alles steht: für Vertrauen, die Weite des Himmels und das Fließen. Und nun pulsierte der Prozess erst richtig in mir. Das Thema „erinnere dich“ begann, in mir zu wirken: Ich dachte nach und versuchte, mich zu besinnen. Das Blau erinnerte mich an das Meer, Wasser, seine Weite und seine Wellen. Plötzlich fand ich mich gedanklich bei meinen ersten Schwimmversuchen wieder. Ich erinnerte mich an die Zeiten in Dresden, der Stadt mit dem berühmten „Blauen Wunder“, einer beeindruckenden Brücke, die die Elbe überspannt. In diesen Jahren malte ich mit kräftigen, leuchtenden Farben und trug gern meinen blauen Malerkittel. Und ich wusste wieder, dass Blau einst meine Lieblingsfarbe war.
Mein blauer Malerkittel gehört zu den drei wertvollen Dingen, auf die ich nicht verzichten möchte. Mehr in meinem Blogartikel „3 wertvolle Dinge, auf die ich nicht verzichte“!
6. Neues aus dem Chaos
Während ich mich erneut auf das Bild einließ und es weiter gestaltete – also mitten im kreativen Prozess war – fand ich durch meine Erinnerungen Antworten und Ideen, wie es mit meinem Rauhnachtsbild weitergehen könnte. Ich wollte mich mit dem Neuen beschäftigen, das mir mein Sohn geschenkt hatte, und integrierte meine „Traumschicht Methode“ – mein persönliches Kunstverfahren, welches ich dir in meinem Blogartikel „Im Fokus: Die ‚Traumschicht Methode‘ – Mein persönliches Kunstverfahren“ näher vorstelle. In diesem Artikel bekommst du auch Einblicke in die „Malerischen Rauhnächte“ 2024/25. – Ich collagierte, druckte und malte also auf das Bild und ließ mich auf Experimente sowie das intuitive Spiel mit Farben und Formen ein.
Im Abstellraum fand ich während einer kurzen Pause zwei kleine, kreisrunde Formate mit einem Durchmesser von 20 cm. Dort ließ ich meiner Kreativität freien Lauf und experimentierte weiter. Ich spürte, dass eine neue Serie entstand – mit sanften blauen Spuren, jedoch fernab des leuchtenden Cyanblau, das ich in großer Menge gar nicht mag.
7. Offenes Ende: Das unvollendete Bild
Am Ende der „Malerischen Rauhnächte“ entstand unerwartet und überraschend eine neue Serie mit Blautönen, die viel besser zu mir passen. Die beiden kleinen Bilder der neuen Serie gefallen mir so sehr, dass sie bereits in unserer Küche hängen.
Doch wie wird es mit meinem Rauhnachtsbild weitergehen? Ich habe das Gefühl, dass hinter der „blauen Störung“ meines Sohnes viel mehr steckt. Das Cyanblau ist ein Spiegel meiner eigenen Empfindungen und zeigt mir, was mir nicht gefällt. Letztlich geht es um das Annehmen oder Ablehnen von Unangenehmem und Unschönem. Wie gehe ich damit um? Grenzen setzen, Nein sagen, sich widersetzen, alternative Wege einschlagen, einfach ausweichen oder Kompromisse finden. All diese Facetten des Lebens offenbart das Cyanblau in mir.
Das Blau beschäftigte mich sehr. Deshalb wählte ich für den Zaubertrank der abschließenden Live-Begegnung in den „Malerischen Rauhnächten“ die Zutat Blau. Während ich diese Zeilen für dich schreibe, bemerke ich etwas Entscheidendes: Die Zutat war nicht Cyanblau. Es war Blau.
Wie ich mein Rauhnachtsbild fortführen werde, bleibt offen. Gewiss ist nur eines: Ich brauche weiterhin Abstand. Ich muss zurücktreten, lauschen, warten. Hinhören auf das, was sich in mir regt, jenseits von Wollen und Tun. Diese Rauhnächte haben mir gezeigt, dass es hier nicht um ein Ergebnis geht, nicht um ein fertiges Bild, das vorgezeigt oder abgeliefert werden will. Nichts muss vollendet werden.
Der eigentliche Raum öffnet sich im kreativen Prozess selbst – dort, wo das Fühlen den Takt vorgibt.
Katrin Ratzmann
Die „Malerischen Rauhnächte“ waren nicht nur für mich eine dichte, durchwirkte Zeit. In der Abschlussrunde lag spürbar in der Luft, wie sehr auch Nora und Franziska mit diesen Tagen verbunden waren. Das Abschiednehmen fiel schwer. Mehrmals setzte Nora an, das „Auf Wiedersehen“ auszusprechen, als müsse sie erst Mut dafür sammeln.
Als das Live-Bild schließlich auf meinem Bildschirm erlosch, kam mir ein Gedanke wie eine stille Erkenntnis: Vielleicht musste das Blau so kraftvoll, so unübersehbar in mein Leben zurückkehren, damit ich es endlich wirklich sehe – und nicht noch einmal an ihm vorbeigehe, wie so oft zuvor.
Einen Monat später: Im Blogartikel „Hinter den Kulissen: Colourful Inside“ zeige ich mein fertiges Rauhnachtsbild.

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ÜBER MICH: „Einssein von Kunst und Natur“ – das ist meine Philosophie, die meine Mixed-Media-Kunstwerke prägt. In meinen Blogartikeln teile ich wertvolles Wissen und tiefgreifende Einsichten. Du entdeckst kreative Techniken, erhältst inspirierende Impulse und erfährst spannende Hintergründe zu meinen Bildern. Zudem ermögliche ich Einblicke in meinen kreativen Familienalltag als Künstlerin, Bloggerin und Mama. Schon in meiner Kindheit war ich künstlerisch aktiv. Mein Kunststudium sowie meine Erfahrungen als selbstständige Künstlerin und Lehrerin haben meine Leidenschaft weiter vertieft. Seit Sommer 2025 gebe ich meine Gedanken und Anregungen in meinem Blog an dich weiter. Lass dich von der Schönheit, Vielfalt und Magie von Kunst und Natur inspirieren – in meinen Kunstwerken und meinen Blogartikeln!
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Hallo Katrin,
das erste Bild, wo Dein Sohn mitwirkte, gefällt mir sehr gut. Die Gegensätze sind gut herausgearbeitet.
Lieber Günther,
vielen Dank für dein Feedback. Mein Sohn ist in der Tat ein wahrer Künstler und hat auf dem Rauhnachtsbild einen beeindruckenden farblichen Kontrast geschaffen.
Auf deinen zweiten Kommentar werde ich dir noch mehr darüber verraten.
Herzliche Grüße,
Katrin
Hallo Katrin,
das zweite Bild ist insgesamt mit kräftigen Farben gezeichnet und wirkt ganz anders als das erste Bild.
Insgesamt gefallen mir Deine Gemälde bestens, wo nimmst Du nur die vielen Ideen her?
Lieber Günther,
das zweite Bild ist die Fortsetzung des ersten. Das erste Bild existiert also nicht mehr in der Form, wie es auf dem Foto zu sehen ist. Auch das zweite Foto ist nur eine Momentaufnahme. Das Rauhnachtsbild hat sich inzwischen wieder verändert. Ich überlege immer noch, ob es mein Bild wird oder ob ich es im unfertigen Zustand lasse.
Es ist mir wichtig, ein gutes Gefühl für ein Bild zu haben, und das hat sich bisher noch nicht eingestellt: Das intensive Blau war mir zu viel. Es passte einfach nicht zu mir. Vielleicht bedeuten die letzten Rauhnächte auch für mich, mich von etwas zu verabschieden und loszulassen.
Woher nehme ich die Ideen? Sie sind alle in mir und müssen nur auf die Leinwand gebracht werden.
Vielen Dank für dein liebes Feedback! Ich freue mich, wenn du bald wieder auf meiner Website vorbeischaust. Möchtest du auf dem Laufenden bleiben, abonniere gern meinen Newsletter!
Alles Gute wünscht dir,
Katrin