3 wertvolle Dinge, auf die ich nicht verzichte

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Im Alltag ist jeder Mensch von einer Vielzahl von Gegenständen umgeben. Einige sind dankbar für einen geräumigen Keller, um ihre zahlreichen Dinge zu verstauen, während andere es bevorzugen, ihren Besitz auf ein Minimum zu reduzieren. Ich finde mich irgendwo dazwischen wieder. Doch in einer Hinsicht bin ich mir absolut sicher: Es sind nicht Dinge wie eine goldene Uhr oder ein Porsche, die für mich von großer Bedeutung sind.

Meine drei wichtigsten Gegenstände sind bedeutungsvoll, weil sie Erinnerungen und Emotionen in mir wecken, die mir als Künstlerin Identität verleihen und mein Leben nachhaltig geprägt haben. Wenn ich diese Gegenstände betrachte, wird ein sehr wertvoller Teil meiner Geschichte erneut lebendig. Hier sind sie, meine drei Gegenstände:

1. Mein blauer Malerkittel

Meinen blauen Malerkittel schenkte mir mein Vater zu Beginn meines Kunststudiums. Ich war gerade 18 Jahre alt. Der Kittel wurde ein maßgebliches Symbol meiner künstlerischen Reise, was mir damals nicht bewusst war, als mein Vater ihn mir gab. Während meiner Studienzeit trug ich den Malerkittel mit Freude. Er war stets mein treuer Begleiter. Heute ist er von Farbflecken geprägt. Diese Flecken, die selbst die Waschmaschine nicht mehr entfernen kann, erzählen von den Öl- und Acrylfarben, die ich verwendet habe, und rufen die Zeit ins Gedächtnis, als ich die Dresdner Sommerakademie besuchte, einschließlich eines Kurses bei Rosa Loy. Sie erinnern mich auch an meine künstlerischen Arbeiten im Dresdner riesa efau, wo ich Papier selbst schöpfte und Lithografien herstellte.

Im Laufe der Jahre haben sich auch kleine Löcher und Risse in den Kittel eingeschlichen, die meine Mutter immer gern hätte stopfen wollen. Doch ich wollte das nicht. Für mich war klar, dass der Malerkittel genau so richtig war – mit all seinen „Makeln“, all den sichtbaren Spuren meiner Kreativität und meines Schaffens. Ein aufgehübschter Kittel wäre nicht derselbe. Er würde die vielen Erfahrungen und Erlebnisse, die ich mit ihm gesammelt habe, niemals widerspiegeln.

Später, als ich Kinder in der Schule unterrichtete, trug ich meinen Malerkittel gelegentlich und tauschte ihn sogar gegen eine neue, plakativ wirkende Rüschenschürze in Pink mit weißen Punkten, um noch mehr Spaß im Klassenzimmer zu verbreiten. Viele Jahre lag mein blauer Malerkittel ungenutzt im Schrank. Das sind auch die Jahre meiner 15-jährigen Kunstpause. Erst Dezember 2024 holte ich den Kittel wieder heraus, als ich an den „Malerischen Rauhnächten“ von Wayra Arts teilnahm. Seitdem ist er wieder ein aktiver Teil meines Lebens und mein Begleiter geworden. Wenn ich ihn trage, spüre ich die tiefe Verbundenheit zu meinen künstlerischen Anfängen und die vielen schönen Erinnerungen, die ich mit ihm verknüpfe. Er gibt mir meine künstlerische Identität zurück, die auch einen wesentlichen Teil meiner Lebensidentität ausmacht.

Mein blauer Malerkittel passt mir immer noch gut.

2. Oma Rosis Buch „Blumen- und Blütenzauber“

Meine Oma Rosi hatte die schönsten Blumen, die ich je gesehen habe. Passanten blieben oft vor ihrem Garten stehen, um die Blumen zu bewundern, fragten nach Pflegetipps und baten um Pflanzenteile zum Vermehren. Meine Oma war stets bereit, ihnen zu helfen. Ein Grund dafür könnte das wunderbare Buch „Blumen- und Blütenzauber“ sein, das ihr gehörte und aus dem sie ihr umfangreiches Wissen schöpfte.

Dieses Buch ist ein Sammelwerk, das von der Zigarettenfabrik „Aurelia“ herausgegeben wurde. Es umfasst zweihundert kunstvoll gestaltete Blumenbilder und bietet Einblicke in die Gartengestaltung. Zudem gibt es Pflegetipps für viele Blumen für Fenster, Balkon und Garten sowie Frischhaltetipps für Schnittblumen. Im Vorwort beschreibt die Zigarettenfabrik ihr Ziel, Schönheit zu vermitteln. Da meine Großeltern bekennende Nichtraucher waren, erhielten sie die Sammelkarten von Arbeitskollegen, die sie aus ihren Zigarettenschachteln weitergaben. Diese wussten von der Blumenliebe meiner Oma. Sie klebte die Sammelkarten mit viel Liebe ein, wodurch eine umfangreiche Fundgrube aus Wissen und bezaubernden Bildern entstand. Als Kind blätterte ich oft darin, zeichnete die Blumen ab und malte sie nach. Ich war gerade einmal sechs Jahre alt.

Im Laufe der Jahre wurde das Buch zu meinem Lieblingsbuch. Als ich zwölf wurde, schenkte mir meine Oma dieses besondere Buch, weil sie erkannte, wie viel es mir bedeutete. Jedes Mal, wenn ich darin stöbere, kommen die Erinnerungen an die gemeinsamen Stunden im Garten zurück, in denen wir zusammen Blumen gossen und pflegten. Für meine Oma waren die Blumen nicht nur Pflanzen. Sie waren ein wesentlicher Teil ihres Lebens. Diese Erinnerungen sind für mich ein kostbares Erbe, das meine Liebe zur Natur und zur Kreativität weiterträgt.

Das Buch ist mittlerweile in die Jahre gekommen. Es hat Knicke, Risse, und es fehlen sogar Blumenbilder, jedoch verliert es dadurch nicht seinen Wert für mich. Es erinnert mich auch an die Zeit, als ich mit meiner Oma am Tisch saß und sie für mich zeichnete, was immer mein Herz begehrte. Irgendwann konnte sie nicht mehr, und dann übernahm mein Opa das Zeichnen. Als er keine Kraft mehr hatte, versuchte ich, die Bilder meiner Großeltern nachzuahmen.

Oma Rosis „Blumen- und Blütenzauber“

3. Meine Pflanzenfotografie in Schwarz-Weiß

Im Botanischen Garten Dresden setzte ich meine Leidenschaft für die Pflanzenzeichnung fort. Während meines Studiums suchte ich oft diesen Ort auf, um in einer ruhigen Ecke am Vormittag Pflanzen mit Bleistift darzustellen. Später begann ich, meine Kamera mitzunehmen, um die Pflanzen fotografisch festzuhalten. Damals ahnte ich nicht, dass das Thema der Pflanzen mich bis heute so fesseln würde. Eines dieser Fotografien, die ich im Botanischen Garten aufnahm, wurde schnell zu meinem Bildschirmschoner auf dem Laptop und hängt seit über zehn Jahren über unserem Sofa im Wohnzimmer. Es handelt sich um eine Schwarz-Weiß-Fotografie, die mir besonders gut gefällt, da sie die Schönheit, Vielfalt und Magie der Pflanzenwelt beispielgebend einfängt.

Pflanzen darzustellen, interessiert mich auch heute noch, allerdings habe ich meine Ausdrucksformen weiterentwickelt. Ich integriere meine Fotografien, die ich heute vor allem in den historischen Gewächshäusern der Wilhelma in Stuttgart aufnehme, mit Collageelementen und kreativen Klecksen. In meinem Blogartikel „5 Kunsttechniken, die ich liebe zu kombinieren“ kannst du erfahren, wie ich diese Techniken kunstvoll miteinander verbinde.

Das Schwarz-Weiß-Foto ist mehr als nur eine Pflanzenaufnahme von damals. Es symbolisiert den Beginn meiner künstlerischen Entwicklung. Heute ist es mir noch wichtiger geworden, die Natur mit all ihren Geheimnissen zu erkunden. Ich achte verstärkt auf die kleinen und großen Wunder und erkenne, dass viele Rätsel ungelöst bleiben werden, weil die Natur eine eigene Sprache spricht, die wir Menschen erst lernen müssen, um sie besser zu verstehen.

Ich betrachte den Menschen nicht als übergeordnetes Lebewesen, wie es oft angenommen wird. Der Mensch war von Anfang an Teil der Natur und sollte es auch bleiben. Nur so können wir die Natur schützen und das große Wir bewahren.

Meine Pflanzenfotografie ist wegweisend für meine heutige Kunst.

Drei bedeutungsvolle Begleiter: Erinnerung und Inspiration

Auf den ersten Blick mag es kaum zu fassen sein, dass alles fließt. Doch es gibt drei Dinge, die in meinem Leben bedeutungsvoll erhalten bleiben. Zu diesen wertvollen Schätzen zählen:

  • Oma Rosis Buch „Blumen- und Blütenzauber“ – seit ich sechs Jahre alt bin
  • Mein blauer Malerkittel – seit ich 18 bin
  • Meine Schwarz-Weiß-Fotografie – seit ich 21 bin

Meine drei wichtigsten Gegenstände sind impulsgebende Speicherkästen, die tief mit mir verbunden sind. Sie bewahren Werte, die mir wichtig sind, geben mir Identität und bilden den roten Faden in meinem Leben. Und sie setzen Geschichten frei, die ich begeistert weitererzähle – ähnlich wie in Orhan Pamuks „Museum der Unschuld“, jedoch bei mir aus anderen Gründen.

Auf den zweiten Blick wird klar, dass die Geschichte meiner drei Schätze weitergeht und alles wieder in Fluss gekommen ist. Mein Umgang mit ihnen hat sich gewandelt: Der Malerkittel ist wieder da, wo er hingehört, und ich habe meine Leidenschaft für Pflanzenbilder neu entdeckt. Meine Kunst entwickelt sich weiter, und ich strebe danach, die Schönheit, Vielfalt und Magie der Pflanzen sowie ihren Erhalt zu betonen.

Diesen Text widme ich meinen Großeltern und meinen Eltern. Ihnen verdanke ich sehr viel.

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Von Katrin

ÜBER MICH: „Einssein von Kunst und Natur“ – das ist meine Philosophie, die meine Mixed-Media-Kunstwerke prägt. In meinen Blogartikeln teile ich wertvolles Wissen und tiefgreifende Einsichten. Du entdeckst kreative Techniken, erhältst inspirierende Impulse und erfährst spannende Hintergründe zu meinen Bildern. Zudem ermögliche ich Einblicke in meinen kreativen Familienalltag als Künstlerin, Bloggerin und Mama. Schon in meiner Kindheit war ich künstlerisch aktiv. Mein Kunststudium sowie meine Erfahrungen als selbstständige Künstlerin und Lehrerin haben meine Leidenschaft weiter vertieft. Seit Sommer 2025 gebe ich meine Gedanken und Anregungen in meinem Blog an dich weiter. Lass dich von der Schönheit, Vielfalt und Magie von Kunst und Natur inspirieren - in meinen Kunstwerken und meinen Blogartikeln! Mehr über mich findest du hier!

2 Kommentare

  1. Liebe Katrin,
    ich habe lustiger Weise eine weiße Latzhose, die ich mir gekauft habe als ich mit 24 meine erste Ausbildung zur Raumausstatterin begann. Und was soll ich sagen – ich habe sie heute noch. Sie hat mich durch meine Ausbildung und durch zwei Haussanierungen begleitet. Ich habe kein Buch von Auriela, dafür aber von der Schokoladenfabrik Gartmann und die schönsten Erinnerungen an den Gemüsegarten meiner Omi. Es gab neben dem üblichen Gemüse Eierpflaumen, Johannisbeeren und jeden Frühsommer hab ich unter die alten Kaffeedosen geschaut um zu prüfen ob der Spargel groß genug ist und gestochen werden kann. Die schönsten Erinnerungen meiner gesamten Kindheit stammen aus diesem Garten und aus dieser Zeit.
    Es gibt fast nichts schöneres als dinge die Erinnerungen festhalten.

    Danke für diesen Blogbeitrag. Er hat mich verleitet einfach kurz inne zu halten und in Erinnerungen zu schwelgen.

    Liebe Grüße
    Vanessa

    1. Liebe Vanessa,
      es ist wirklich wunderbar, in Erinnerungen zu schwelgen! Sie sind wie Wegbereiter in unserem Leben – egal ob es die Latzhose ist, das Buch von der Schokoladenfabrik oder der Gemüsegarten deiner Omi. Diese kleinen Dinge sind sehr wertvoll. Sie tragen so viel Bedeutung in sich und können uns Kraft spenden. Ich liebe solche Geschichten und wie sie uns beeinflussen. Vielen Dank, dass du deine Erinnerungen mit mir, mit uns geteilt hast!
      Herzliche Grüße,
      Katrin

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